Energie

Offshore-Windparks:

Aufwind und Gegenwind!

Ende der siebziger Jahre galt Alternativenergie wie die Windenergie auch in den Reihen der Anti-AKW-Bewegung noch als Utopie! Der Ausstieg aus der Kernenergie galt dagegen als sofort umsetzbar. Entsprechende Forderungen wurden oft "handfest" vorgetragen. Vornehmlich an und auf AKW-Bauplätzen. In Deutschland wurde der vielgeforderte (sofortige!) Ausstieg aus der Kernenergie bis heute nicht durchgesetzt. "Die Atomkraft hat an gesellschaftlicher Brisanz verloren. Was nicht damit verwechselt werden sollte, dass ihre grundlegenden Probleme gelöst wären", schrieb LinX-Autor BG im August. (vgl. LinX 17/01 "Anspruch und Wirklichkeit ..." ) Trotz Regierungsbeteiligung der "Umweltpartei" BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, deren Wurzeln nicht unwesentlich in der Anti-AKW Bewegung lagen. Heute führende Kader kamen aus dieser Bewegung zu den GRÜNEN, wovon ein größerer Teil den damals einflussnehmenden K- und anderen linksradikalen Gruppierungen entstammt. Nicht nur der Bundesumweltminister Jürgen Trittin, der von dem hauptsächlich an der Waterkant verankerten Kommunistischen Bund (Szene-Kürzel "KB-Nord"), über die Anti-AKW-Bewegung seinen Weg durch DIE GRÜNEN auf den Regierungssitz an der Spree fand!
Windpark

Öffentlich nicht so wahrgenommen und meist nur an den lokalen Standorten umstritten, hat sich auf dem Sektor der "Alternativ-Energie" in den letzten beiden Jahrzehnten einiges entwickelt. Neben der Sonnenenergie ist die Windenergie am entwickeltsten. Im Norden vornehmlich die Windenergie. Über 20 Prozent des Stromverbrauchs in Schleswig-Holstein wird mit Windstrom gedeckt. Mehr als sechs Prozent der weltweiten Windenergie wird hier produziert: Nach Angaben des Washingtoner "Earth Policy Institute" besteht weltweit eine Gesamtleistung von 23.300 Megawatt, wovon das Kieler Energieministerium eine zwischen Nord- und Ostsee installierte Leistung von über 1.500 Megawatt (2305 Anlagen) angibt, die im laufenden Jahr ein Viertel des im Lande verbrauchten Stroms abdecken soll. Normale Windverhältnisse vorausgesetzt! 2001 konnten nur 82 Prozent der üblichen Windernte eingefahren werden. Das hat nichts mit den argstrapazierten Ereignissen am 11. September zu tun, sondern mit der ungewöhnlichen Windschwäche des abgelaufenen Jahres.
Aufbau mit Schlauchbooten

Der Streit um die Windkraftanlagen schwelt nicht nur an den Standorten und Stammtischen im Lande weiter: Nachdem sich der Streit mit den Energiekonzernen über den Zwang zur Einspeisung der Windenergie in deren Netze mittlerweile etwas gelegt hat, geht die Auseinandersetzung mit der Tourismusindustrie sowie den Naturschutz- und Umweltgruppen weiter.

Die Windenergieindustrie plant in See zu stechen. Vor den Küsten Schleswig-Holsteins ist der Bau von vorerst vier Offshore-Windparks in näherer Planung. Dass mit einer Realisierung zu rechnen ist, belegen Planungen der zum E.ON Konzern gehörenden Schleswag AG (Rendsburg): Bis 2004/05 sollen drei neue Hochspannungs-Trassen stehen. 60 Millionen Euro Investitionen in die insgesamt 75 Kilometer langen 110-Kilovolt-Leitungen nebst neuer Umspannwerke sind geplant. Der führende Regionalversorger will damit, nach eigenen Angaben, den Weg frei für den weiteren Ausbau der Windenergie im Lande machen. Die starke Zunahme der Einspeisung von Windstrom auf bis zu 1.200 Megawatt in Spitzenzeiten soll die Leitungskapazität der Schleswag faktisch erschöpft haben. "Bei 1.400 Megawatt sind wir endgültig am Anschlag", so Technikvorstand Helmut Lechlein im September. In Starkwindzeiten werden die Windmüller verpflichtet, die Produktion zu drosseln. Die neuen Leitungen sollen Luft für die Einspeisung von in Spitzenzeiten 2.000 Megawatt Windstrom schaffen!
Unendlicher Offshore-Park?

Neben dem Projekt SKY 2000 innerhalb der Hoheitsgewässer in der Lübecker Bucht macht insbesondere die OSB Offshore-Bürger-Windpark Butendiek GmbH & Co. KG (Husum) (www.butendiek.de) von sich reden - und Druck: Über 6.600 Menschen haben 24000 Anteile á 250 Euro gezeichnet. Anhaltende Nachfragen von Neugesellschaftern und ihre Anteile erhöhen wollende "Butendieker" hebt das Projekt aus dem visionären Stadium heraus. "...Unser Ziel, ein Bürger-Windpark mit einer sehr breiten Bürgerbeteiligung zu werden, haben wir damit erreicht. Die Akzeptanz in der Bevölkerung, bei den zuständigen Behörden und in der Politik sowohl in Kiel als auch in Berlin steigt mit jedem neuen Butendieker. ..." meldete Butendiek-Newsletter Ende des Jahres. In einem Gespräch, Anfang Dezember im Umweltministerium, bekundete Minister Trittin, insbesondere aufgrund der Konzeption als Bürger-Windpark, Sympathie für das Butendiek-Projekt. Unterstützung in der Problematik des Baus im "Important Bird Area" (IBA) 30 Kilometer westlich von Sylt wurde zugesagt. Der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes Schleswig-Holstein, Volkher Looft, bezeichnete in der Dezemberausgabe von NORDFRIESLAND (Nordfriisk Instituut: www.nordfriiskinstituut.de )eine Realisierung von 200 in vier bis fünf Reihen gestaffelten Großanlagen, mit einem Rotordurchmesser von bis zu 100 Metern, als eine Schredderanlage gegen 100 Millionen Zug(Sing)-Vögel. Der Geschäftsführer von OSB BUTENDIEK, Wolfgang Paulsen, verwies in der Zeitschrift auf eine bezüglich der Umwelt und Schiffsicherheit hochgelegte Meßlatte. Und: Durch die Windenergie, als Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung, müsste eines Tages die Energie nicht mehr in Öltankern über das Meer gebracht werden, sondern komme von Windkraftanlagen auf See.

Gegenwind im meerumschlungenen Lande kommt nun von steuerbords: Die CDU-Opposition im Kieler Landtag verlangt vom Energieminister Claus Möller (SPD) Genehmigungen für Offshore-Anlagen solange zu stoppen, "bis es dafür eine tragfähige rechtliche Grundlage gibt", sagte der energiepolitische Sprecher der CDU-Fraktion Trutz Graf Kerssenbrock den Kieler Nachrichten. "Die Genehmigung von Offshore-Windparks erfolgt praktisch im luftleeren Raum", wird der Landesregierung und dem außerhalb der Zwölf-Meilenzone zuständigem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie vorgeworfen. Ob die CDU hier Belange des Umweltschutzes, der Schifffahrt, des Tourismus oder gar der Bundeswehr vertritt, bleibt der Spekulation überlassen. Populistisch wird ökologische Rechtsunsicherheit außerhalb der Hoheitsgewässer bekundet. Eine ökologische Prüfung soll in der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes enthalten sein. "Die jedoch", so der Ministeriumssprecher Herbert Schnelle, "wird im Bundesrat von den CDU-regierten Ländern blockiert".

Rouge-olivgrünes Segeln am Windkraftwind und schwarzer (demnächst auch gelber?) Gegenwind! Alles reine PR-Aktionen? Welchen Anteil die nachhaltig genannte Energie einnehmen wird, hängt vorerst auch vom Erdöl(Preis) ab. Und hier steht die bürgerliche Parteien-Front geschlossen! Der "Offshore-Einsatz" bundesdeutscher Truppen, im Rahmen eines als "Terrorismusbekämpfung" deklarierten soweit außerhalb Afghanistans vorerst mehr Manövers, erhielt breiteste Zustimmung aus SPD/GRÜNEN/FDP und CDU/CSU. Zweck des "Out Of Area-Kriegsmanövereinsatzes": Übung der Sicherung des ungehinderten Zugangs zum Erdöl und dem ungestörten Fluss des Rohstoffs nach Deutschland und anderswo. Gegenwind zeitweise und mittlerweile (nach PDSPD Koalitionsvertrag in Berlin) mehr beständig umlaufend kam in der Frage nur von der PDS.

Das Wattenmeer und der Golf von Aden liegen dicht beieinander: Energiepolitisch und weltpolitisch! Alles Offshore oder was? (W. Jard) 

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