KERNspalte

Am Donnerstag morgen vor dem Versand der letzten LinX-Ausgabe schafften 250 AktivistInnen (u.a. von Robin Wood) tatsächlich mal wieder, den Terminplan eines erwarteten Transports von Krümmel etwas durcheinanderzubringen. Erst nach dreieinhalb Stunden konnte der Zug Richtung Maschen weiterfahren, von wo er dann ziemlich ungehindert - zusammen mit Behältern aus Brokdorf - seine Fahrt nach Sellafield fortsetzte. Bei der Aktion wurden 37 Personen vorübergehend festgenommen.

E.ON verbreitet widersprüchliche Konzernnachrichten. Einerseits müsse der Strompreis in diesem Jahr um 5 bis 10% erhöht werden, weil ja "alle Stromproduzenten nicht kostendeckend" arbeiteten. Andererseits habe der Umsatz im "Kern"geschäft Energie um 14% gesteigert werden können, der Überschuss wurde mit 2 Mrd. Euro beziffert, was denn auch zu einer Dividende von 1,60 Euro pro Aktie führen soll. Geplant ist in diesem Jahr der Verkauf der Konzernanteile an Stinnes und den Telekom-Konzernen in Frankreich und Österreich, so dass eine weitere Konzentration auf das (nicht kostendeckende) "Kern"geschäft unvermeidlich sein wird. Trost kommt von der Trinkwassersparte - die sei "hochprofitabel" -, und auch Gas läuft nicht schlecht. Im Juli erwartet E.ON das OK des BMWi zur geplanten Übernahme von Ruhrgas.

Die Renovierung des veralteten Atommeilers Biblis hat am 22. März ein Todesopfer gefordert. Ein Elektromechaniker sei an einem Stromschlag mit schweren Verbrennungen gestorben, teilten die Betreiber mit, 3 weitere Arbeiter wurden leicht verletzt. Der Vorfall habe sich im nichtnuklearen Bereich des Kraftwerks ereignet, ein offenes Feuer habe es zu keiner Zeit gegeben.

Nicht nur Siedewasserreaktoren wie Brunsbüttel sind unberechenbar. Auch Druckwasserreaktoren haben unvorhergesehene Probleme. Aus einem 25 Jahre alten US-Atomkraftwerk wurde berichtet, dass Säure im Kühlwasser eine 15 cm dicke Abdeckung des Reaktordruckbehälters praktisch zerfressen hatte. Der nur noch 1,3 cm dicke Rest Stahl war von dem Druck des Kühlwasser bereits nach außen gebeult worden und stand unmittelbar vor dem Bersten, als der Vorfall bemerkt wurde und der Meiler heruntergefahren werden konnte. Die US-Atomaufsicht erklärte, sie hätte eine so starke Korrosion noch nie gesehen. Unter dringendem Verdacht stehen nun mehr als ein Dutzend ähnlich alte Druckwasserreaktoren in den USA, insgesamt sollen 70 Reaktoren auf vergleichbare Schäden untersucht werden.

Schacht Konrad wird, wie schon lange angekündigt, Atommüllendlager. Das niedersächsische Umweltministerium genehmigte Ende März die Einlagerung von 303.000 m³ schwach- und mittelradioaktivem Müll. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte zwar 650.000 m³ beantragt, war jedoch trotzdem mit dem Beschluss hochzufrieden, denn die verbliebene Kapazität entspreche dem geschätzten mittelradioaktiven Abfallvolumen bis 2080! Damit ist faktisch das seit 20 Jahren laufende Endlager-Genehmigungsverfahren unter rot-grün zu einem Abschluss gekommen, auch wenn erwartete Klagen von Anwohnern und Kommunen in den kommenden 5 Jahren noch gerichtlich abgewiesen werden müssen. Die bisher vorgebrachten Bedenken von 290.000 Bürgern sind mit dem Entscheid jedoch abgearbeitet. Ein Endlager für hochradioaktiven Müll gibt es nach wie vor weltweit nicht.

Was auch gut unter Global Village gepasst hätte:

EnBW tut was fürís Renommee: Meldepflichtige Ereignisse in Kernkraftwerken, incl. Obrigheim und Neckarwestheim, sollen künftig auf der Internetseite www.enbw.com/presse/meldepflichtige_ereignisse veröffentlicht werden. Ein Test sollte bei Erscheinen dieser LinX möglich sein.

Vielen AKW-Gegnern ist die URL "www.castor.de" bekannt und vertraut. Die Inhalte sind, wie viele sicherlich schon gemerkt haben, identisch mit www.oneworldweb.de/castor. Witzigerweise ist der "Gesellschaft für Nuklearservice" GNS, deren Tochter GNB die gleichnamigen Behälter wachsender Beliebtheit herstellt, just aufgefallen, dass sie die Namensrechte der Marke "Castor" besitzt und damit auch die Vorrechte im geschäftlichen wwweb-Verkehr. Dort, so befürchtet sie, werde die "überragende Bekanntheit und Berühmtheit ihrer Marke" durch die Website der Castor-Gegner "in ein negatives Licht gerückt" (nanu, wie das?). Ihre Anwälte verweisen auf Urteile im Falle Shell und "Oil of Elf". Der Rechtsanwalt der Castor-Gegner, Amer, hält dagegen, die Urteile seien nicht vergleichbar, da "Castor" weder Namen, noch Namensbestandteil der Firma GNS sei. Zudem sei der Markt für diese Transportbehälter so klein, dass die Firma nicht darauf angewiesen sei, Kontakt zu potenziellen Kunden über die beklagte Domain aufzunehmen. Außerdem sei die "überragende Berühmtheit" des Produkts nicht auf seine Qualität, sondern überwiegend auf die Aktivitäten der Atomtransport-GegnerInnen zurückzuführen. Amer vermutet statt geschäftlicher eher politische Gründe hinter der Klage. So habe GNS im letzten Jahr die Domain "www.castor.info" registrieren lassen, die bis Februar 2002 nicht in Betrieb gewesen sei, folglich INFO überhaupt nicht leistete, jetzt aber mit "www.gns.de" identisch sei. Ein ähnliches Schicksal solle wohl auch die beklagte URL erleiden. Am 25. April soll das Landgericht Essen in der Sache entscheiden. (BG)

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