Kommentar

Fragen stellen

Während sich Teile der deutschen Linken mit so weltbewegenden Fragen herumschlagen wie, ob man noch auf Antifa-Demos Palästinensertücher tragen darf, oder wie man den jeweils anderen am besten als Reformisten entlarvt, machen andere in Afghanistan und anderswo Politik. Die kommt nämlich, allen Gorbatschovianern zum Trotz, immer noch aus den Gewehrläufen.

Seit fast einem Jahr sind ca. 100 Soldaten des deutschen Kommandos Spezialkräfte (KSK) am Hindukusch im Einsatz, doch die hiesige Öffentlichkeit, die Linke eingeschlossen, scheint das nicht besonders zu interessieren. Das ist eigentlich ziemlich erstaunlich und wahrscheinlich nur mit psychologischen Verdrängungsmechanismen zu erklären. Denn immerhin ist die deutsche Rambotruppe offenbar in Kämpfe verwickelt. Eliteeinheiten verschiedener NATO-Staaten darunter auch das deutsch KSK liefern sich nämlich noch immer Gefechte mit Einheiten der Taliban, wenn sie nicht gerade irgendwelche Hochzeitsfeiern bombardieren. (Auch das gehört zum Alltag in Afghanistan, dass nämlich der Krieg der "zivilisierten Welt" nach wie vor mit trauriger Regelmäßigkeit zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung fordert.)

Sicherlich sind 100 Soldaten keine große Zahl. Dennoch: Zum ersten Mal seit 1945 sind deutsche Truppen wieder in Bodenkämpfe verwickelt. Die hiesigen Eliten haben ein weiteres Etappenziel erreicht, um im internationalen Konzert ihre Interessen künftig notfalls auch mit Gewalt durchzusetzen. Dass genau das angestrebt wird, ist spätestens seit Beginn der 90er in diversen Strategiepapieren öffentlich nachlesbar.

Die Linke und die Friedensbewegung wären also gut beraten, sich ein wenig mehr um den KSK-Einsatz in Afghanistan zu kümmern. Vor allem sollten sie dabei einmal unbequeme Fragen stellen: Warum erfährt die hiesige Öffentlichkeit so wenig über den Einsatz? Was passiert dort unten eigentlich? Halten sich die deutschen Soldaten zumindest an das internationale Kriegsrecht? Was ist mit den Kriegsgefangenen? Werden sie an die USA übergeben, die sie gegen alles internationales Recht foltert und unter Bedingungen hält, die allen Konventionen widersprechen, die die Behandlung von Kriegsgefangenen regeln? (wop)

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