Kommentar

Flut und Klima:

Normale Anomalien

In diesem Sommer machen Pegelstände statt Ozonwerte Schlagzeilen. Geschädigte und gefährdete Menschen werden pauschal mit den Toten zu Flutopfern erklärt. Abseits vom medialen Katastrophismus: Diese Flut an der Elbe ist über Jahrhunderte betrachtet eine ganz normale Anomalie! Die herausragenden Fluten von 1501, 1675, 1784 und 1799 überschwemmten annähernd dieselben Bereiche. Neu ist nur der anerkannte globale Klimawandel. Der von Menschenhand geleistete Beitrag am globalen Temperaturanstieg darf seriös zumindest auf hälftig veranschlagt werden. Die regionalen Folgen der Flut können dagegen durchgehend menschlichem Handeln zugeschrieben werden. Kanalisierung von Flussläufen, Vernichtung der ursprünglichen Überflutungs- und Sickerflächen durch Abholzung, Eindeichung, Flurbereinigung und Bodenversiegelung und ohne vorsorgenden Schutz in die früheren Auenlandschaften gestellte Häuser und (Industrie-) Anlagen: Alles menschengemacht nach dem Motto "Nach mir die Sintflut!". Anormal zu den Hochfluten früherer Jahrhunderte ist nicht die Niederschlags- bzw. Abtaumenge, sondern die Besiedlungsdichte in früher unwirtlichen Gebieten. Und dazu alles, was die Menschen im Industrie-Zeitalter materiell und ideell produziert haben. Der handfeste Umbau auf dem Globus ist heute mit Apokalyptik gepaart. Womit es sich hierzulande, frei von Hungers- und Wassernöten, in der Regel gut leben lässt.

Auf den Flutwellen bemühen sich die (Spitzen-) Kandidaten zur Bundestagswahl um Anerkennung. Die seit Wochen in ablandiger Unterströmung befindliche Regierungskoalition wurde wieder näher ans Ufer gespült. Staatliche Hilfe und Umweltschutz erleben eine kleine Renaissance. Die Forderung aus den Reihen der Opposition nach zusätzlichen Atommeilern kommt dagegen, selbst bei den derartige Kraftwerke betreibenden Energiekonzernen, nicht an. Gerhard Schröder gefällt sich und dem Wahlvolk in der Rolle des Deichgrafen "Hauke Haien". Tatsächlich waren es hauptsächlich die Stunden und Wochen der Landräte und Bürgermeister mit den militärisch formierten Organisationen nebst vieler freiwilliger Helferinnen und Helfern.

Vor dem Hintergrund, dass der Erscheinungsort der LinX vor einigen tausend Jahren noch von einer mehrere hundert Meter dicken Eisdecke geschliffen wurde und der anhaltenden Kontinentaldrift, kann man globale und regionale Klimaveränderungen relativ gelassen sehen. Entscheidend ist, was wir uns selbst und anderen Menschen in der Nachbarschaft und in der Welt hier und heute antun wollen. In und um Kiel-Holtenau wehren sich viele "Viel-Flieger" gegen viele Flieger über den eigenen Dächern. Bei uns kein "Sinkflug" aber nach uns die "Sintflut" ist nach wie vor die Haltung der Menschen im Lande gegenüber dem Rest der (Welt-)Bevölkerung. Apokalyptisch verbrämt ist diese Haltung in dem Zeitalter des Weltüberblicks offensichtlich anormal Normal! (W. Jard)

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