Anachronistisches Machogehabe
Anfang Juli plant ein privater Veranstalter eine so genannte
Speed-Boot-Rallye in der Eckernförder Bucht. Vom 3. bis 4. Juli sollen
Rennboote mit ohrenbetäubendem Lärm und bis zu 50 Knoten (entspricht
ca. 92 km/h) über das Wasser rasen. Die Teilnehmermüssen verschiedene
Punkte anlaufen und dort nach alten Wracks tauchen. Viele Anwohner sind
wenig begeistert. Protest gibt es auch von der Linkspartei und den Grünen.
„Die Eckernförder Bucht ist ein sensibles Ökosystem. Insbesondere
die auch hier vorkommenden
Populationen der vom Aussterben bedrohten Schweinswale
in ihrer Wurf- und Stillzeit zu gefährden ist nicht hinnehmbar.“,
so Daniela Asmussen, Kreissprecherin der Linkspartei in Rendsburg-Eckernförde
und stellvertretende Fraktionsvorsitzende im dortigen Kreistag. „Wir haben
in den vergangenen Tagen zahlreiche E-Mails und Zuschriften von Menschen
aus ganz Europa erhalten, die gegen das geplante Power- Boot-
Rennen protestieren. Ebenso wie Sie haben wir kein Verständnis
für diese Spaßveranstaltung einer betuchte Minderheit, die keinerlei
Rücksicht auf den Schutz der Natur und die Interessen der Anwohnerinnen
und Anwohner nimmt. Dieser Unsinn muss gestoppt werden!“
Bei den Grünen spricht man von einem „anachronistisches
Machogehabe“. Das Rennen gefährde die streng geschützten Schweinswale,
die in der westliche Ostsee ihre Jungen zur Welt bringen. Die weite Schallaus-
breitung im Wasser wirkt wie eine Bauarbeiterkolonne,
die mit dem Presslufthammer im Kreißsaal Beton zerkleinert. Durch
den Schall können die empfindlichen Meeressäuger leicht jegliche
Orientierung verlieren. Im Wasser breitet sich Schall wesentlich weiter
und schneller als in der Luft aus. „Wir halten es für mehr als zweifelhaft,
ob eine Speedbootveranstaltung der Tourismuswirtschaft in der Region nützt.
Wir sind vielmehr überzeugt, dass die Mehrheit der ruheliebenden CamperInnen,
SeglerInnen und StrandbesucherInnen sich vom Lärm der Boote gestört
fühlen würde. Dies wird durch zahlreiche empörte E-Mails
aus der Be-
völkerung, die uns erreichten, bestätigt“,
so Detlef Matthiessen von den Landtagsgrünen. Er forderte vom Umweltministerium,
dass die Veranstalter eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorlegen
sollen, und will Akteneinsicht beantragen.