Betrieb & Gewerkschaft

Danfoss muss IGM-Daten vernichten

Betriebsrat stellt Vertrauensfrage

Vor dem Landgericht Flensburg wurde am 12. Dezember über den Antrag der IG Metall auf einstweilige Verfügung gegen die Firma Danfoss Compressors GmbH entschieden: Nach umfassender Belehrung durch das Gericht, hat sich Danfoss in einem gerichtlich protokollierten und vollstreckbaren Vergleich verpflichtet, sämtliche in deren EDV eingegebenen Daten einschließlich der Sicherungskopien aus der Teilnehmerliste des IG Metall-Netzwerks Küste zu löschen. Danfoss muss dies in einer eidesstattlichen Erklärung gegenüber einem neutralen Dritten, hier der Datenschutzaufsichtsbehörde Schleswig-Holstein, bestätigen. Weiter ist Danfoss verpflichtet, alle in deren Verantwortungs- und Einflussbereich befindlichen Ausdrucke der Teilnehmerliste nachweislich zu vernichten.

903 Teilnehmernamen (mit E-Mailadresse und Funktionen) soll Danfoss aus dem IGM-Netzwerk abgezogen oder von einem, vermutlich bei Danfoss auf der Personalliste stehen, Dritten angenommen haben! (vgl. LinX 25/01)

Auf der Betriebsversammlung am 17. Dezember meinte die Betriebsratsvorsitzende Hanne Petersen "Die Zeit des Diskutierens ist vorbei". Sie stellte für das Gremium die Vertrauensfrage. (vgl. LinX 26/01 ) Zweidrittel der an der geheimen Abstimmung Teilnehmenden sprachen dem unternehmenshörigen Betriebrat das Vertrauen aus. Vor dem Hintergrund der Vorwürfe aus Konzernspitze, Unternehmensleitung und Betriebsrat gegen die IG Metall, die mit ihrer Politik den Standort Flensburg gefährde, ist das Ergebnis in der heutigen Zeit nicht verwunderlich. Dass ein Drittel heimlich den Kurs der IG Metall stützt, dürfte für die gewerkschaftlich Orientierten im Betrieb eine Ermutigung sein. Auch für die mittlerweile "kettengekündigten" Gewerkschafter Uwe Krull und Peter Jacobsen sowie ein weiteres Mitglied der Vertrauenskörperleitung, dem mittlerweile betriebsbedingt (!) gekündigt wurde.

Der ins zweite Jahr gehende Streit begann, vor dem Hintergrund angedrohter Massenentlassungen, mit einer Auseinandersetzung über Arbeitszeitmodelle. Die IG Metall Flensburg stützt hier die gewerkschaftlich Orientierten, die für Modelle zum Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze plädierten. Die IG Metall erhebt gegen den Betriebsrat den Vorwurf, Arbeitsplätze leichtfertig zu gefährden, sich bei der Aufstellung eines Sozialplans "daneben benommen" zu haben und Politik mit der Angst um den Arbeitsplatz zu machen. "Dieser Betriebsrat hat abgewirtschaftet", behauptet der Flensburger IGM-Ortsbevollmächtigte Meinhard Geiken. In einem Flugblatt der IGM wird der Rücktritt des gesamten Danfoss-Betriebsrats gefordert. 12 der 15 Betriebsratsmitglieder sollen noch Mitglied der IGM sein! Anträge auf Gewerkschaftsausschlüsse sind nicht bekannt. Die drei Freigestellten waren schon ausgetreten. Angeblich haben auch weitere Belegschaftsmitglieder "die Bücher geschmissen"! "Politische Infiltration von außen", nennt der Personalchef Egon Hansen die Aktivitäten der IG Metall und meint, dass die Zeit der klassenkämpferischen Auseinandersetzungen doch lange vorbei sei.

Die IG Metall scheint bemüht zu sein, den Konflikt nur betrieblich auszutragen. Bezirkliche oder gar bundesweite Solidaritätsaktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit war bisher nicht zu bemerken. Selbst örtlich wird der Ball flach gehalten! (siehe IG-Metall-Homepage) Ein Widerspruch zur oft von der IG Metall proklamierten Stärkung der Vertrauensleutearbeit! Die juristische und finanzielle Unterstützung der Gemaßregelten wird nicht reichen! Oder ist ein politischer und organisatorischer Erfolg aktiver Vertauensleutearbeit nicht gewollt? (W. Jard)

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