Kommentar

Einfach anfangen

Wer hätte das gedacht: Die Nordfriesen können den Landeshauptdörflern glatt zeigen, wo es lang geht. Kurz vor Redaktionsschluss stimmten sie in einem Bürgerentscheid gegen die Privatisierung ihrer Krankenhäuser. Während in Kiel ein städtischer Betrieb nach dem anderen unter den Hammer kommt als nächstes ist die KV(A)G dran , ist im hohen Norden den Privatisierern ersteinmal das Handwerk gelegt. Natürlich nur vorübergehend und auch nur bezüglich der Krankenhäuser, aber immerhin.

Im Landeshauptdorf war seinerzeit beim Verkauf der KWG nur der Mieterbund auf die Idee gekommen, ähnliche Schritte zu unternehmen. Allerdings blieb es bei der bloßen Idee, denn es war bereits zu spät, und von den Gewerkschaften kam keine Unterstützung. In der nächsten Runde, als es bei den Stadtwerken ans Eingemachte ging, brüllten diese zwar ein bisschen; allein: alles Show. Als für die alteingesessenen Beschäftigten eine Bestandsgarantie herausgeholt war, gab man sich wie üblich mit der Rolle als Bettvorleger zufrieden. Den Korporatismus haben hiesige Verdianer mit der Muttermilch eingesogen. Und so warten wir denn auch immer noch auf die große Kampagne der Kieler ver.di gegen den Verkauf des städtischen Krankenhauses, die uns versprochen wurde. Nicht einmal die Kieler ver.di-Mitglieder wurden bisher über das Thema informiert, geschweige denn mobilisiert. Dabei könnte man doch an dieser Stelle hervorragend deutlich machen, dass Gewerkschaften mehr als nur die Interessen der unmittelbar betroffenen Beschäftigten im Sinn haben. Das Interesse der Kieler Öffentlichkeit an einem leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr und einer vernünftigen medizinischen Versorgung und das der Beschäftigten nach angemessener Entlohnung und annehmbaren Arbeitsbedingungen sind annähernd deckungsgleich. Doch von einem privaten Investor wird weder das eine noch das andere zu haben sein. Der wird vor allem Profit erwirtschaften wollen, und der Weg dorthin ist immer der gleiche: Arbeitsverdichtung, Serviceverschlechterung und Lohnabbau.

Aber vielleicht haben wir schon zu lange auf ver.di gewartet. Vielleicht sollten einfach mal ein paar Basisgruppen anfangen. Die Stimmung, das hat das konservative Nordfriesland gezeigt, ist da. (wop)

zum Artikel Abfuhr für Privatisierer

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